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Deutsches Baublatt Nr. 269, März 2000

Kamera ortet Schwachstellen und Gefahrenpunkte

Fallbeispiel:
Brandschutz in elektrischen Anlagen

Wer die dreistelligen Milliardenbeträge kennt, die alljährlich in der deutschen Industrie infolge oft vermeidbarer Schäden anfallen, weiß welchen Stellenwert Schadenverhütung in der Wirtschaft einnimmt. Eine noch relativ neue Technologie, die Thermografie, verschafft der Prävention wirkungsvolle Unterstützung. Über diesen Themenkomplex sprach Andrej Krötz mit dem Inhaber der Firma Technische Büro für Thermografie, Jürgen Tietke.

DBB: Herr Tietke, Sie bringen neue Möglichkeiten zur Schadenverhütung über die Infrarot-Thermografie in den Markt ein. Wie agiert Ihre Firma.

Tietke: Das Technisches Büro für Thermografie in Hannover ist ein noch junges, kleines Unternehmen. Zu den kooperativen Partnern gehört das Technische Büro Uwe Menze in Eckernförde. Diese Zusammenarbeit ist sinnvoll und unerlässlich zugleich.

DBB: Wie sieht diese Zusammenarbeit und Ihr gemeinsames Tagesgeschäft aus?

Tietke: Dazu erst einmal ein wenig Hintergrund: Bei der Infrarot-Thermografie handelt sich um eine Messmethode, die - nicht nur , aber auch ganz speziell - in elektrischen Anlagen, in und an Gebäuden und zur Leckageortung eingesetzt werden kann.Da diese Bereichsbündel, Elektrizität und Bauwesen einschließen nicht von einem Fachmann allein bewältigt werden kann, haben wir uns für die erwähnte Kooperation entschieden... Herr Menze ist Elektromaschinenbautechniker, ich bin Bautechniker. So ist es uns möglich, Hauptgebiete der Thermografie fachlich abzudecken. Modernste Kommunikation über Datenaustausch gehört dazu.

DBB: Können Sie die Technik der Messung kurz erläutern?

Tietke: Bei der IR-Thermografie wird die emittierte Infrarotstrahlung eines Objektes gemessen. Da die Strahlung eine Funktion der Oberflächentemperatur ist, kann die Kamera die Temperaturen genau errechnen und anzeigen. Es sind natürlich noch verschiedene Besonderheiten bei einer Messung zu berücksichtigen. So können z.B. Reflexionen als Schwachstellen (hot spots) interpretiert werden, die gar nicht vorhanden sind. Das muß der Fachmann erkennen. Es müssen  auch bestimmte Einstellungen an der Kamera vorgenommen werden, wie z.B. Emissionsgrad, Umgebungstemperatur und Entfernung zum gemessenen Objekt.

DBB: Wo liegen die Einsatzfelder dieser Technologie?

Tietke: Die Möglichkeiten der IR-Thermografie sind breit gefächert.

  • Einsätze zur Ortung von Leckagen, an z.B. Heizleitungen, Fußbodenheizungen. An Dampfdruck-    leitungen etwa können auch  Ablagerungen entdeckt werden.Ein weiteres Gebiet ist die Gebäudethermografie, wobei dieser Bereich mit Blick auf das Energie-    einsparen immer wichtiger wird. Auch die Bausubstanzerhaltung ist nicht zu unterschätzen. Energieverluste lassen sich an Gebäuden sehr genau und schnell feststellen.Das wohl wichtigste Gebiet ist die Industriethermografie. Da heutzutage immer weniger Personal und Zeit für Wartungsarbeiten zur Verfügung stehen, müssen genau und schnelle Messmethoden zur Wartung eingesetzt werden. Es geht hierbei nicht nur um elektrische Anlagen, sondern auch um überhitzte Leitungssysteme, die eine Unfallgefahr darstellen können. Mit Hilfe der Thermografie wird ein sich       anbahnender Fehler aufgedeckt und kann behoben werden, bevor eine Beeinträchtigung der  Produktion entsteht.
  • Lokalisierung von Korrosion sowie der Umweltschutz sind weitere Bereiche.

DBB: In welcher Form ist die IR-Thermografie, bei Brandschutz und Schadenverhütung in elektrischen  Anlagen einsetzbar.

Tietke: Die Thermografie bietet die Möglichkeit, elektrische Anlagen in allen Spannungsebenen auf thermische Schwachstellen (hot spots) hin zu untersuchen. Da lockere Kabelverbindungen, egal ob geschraubt oder geklemmt, einen höheren Übergangswiderstand haben, sind sie thermisch höher belastet und werden als "hot spots" geortet. Für sich anbahnende Defekte an einzelnen Bauteilen gilt das gleiche Prinzip, d.h., sie entwickeln eine höhere Temperatur. Ein Bereich verdient besondere Beachtung: Das sind Kabel die in Doppelböden oder abgehängten Decken verlegt sind. Die Kontrolle der Belastung der Kabel ist in diesem Bereich per Thermografie ohne großen Aufwand durchfürbar, da nur in größeren Abständen einzelne Felder geöffnet werden müssen.

DBB: Die so gewonnen Informationen müssen in irgendeiner Form ver- und bearbeitet werden. Wie geschieht das?

Tietke: Sicherlich ist es nicht damit getan, sich die Objekte nur anzusehen. Die Infrarotaufnahmen werden auf einem Speichermedium in der Kamera gespeichert einschließlich eines Sprachkommentars. Weiter wird ein Digitalbild erstellt, um die Orientierung zu erleichtern. Diese vor Ort gewonnenen Erkenntnisse müssen dann am Computer mit einer speziellen Software zu einer Dokumentation verarbeitet werden. Mit Hilfe des aufgezeichneten Kommentars werden zu jedem IR-Bild weitere Informationen - z.B. Gebäude, Raum oder Bauteil in der Dokumentation festgehalten. Als Richtwert für eine Dokumentation gilt, daß sie die gleiche Zeit beansprucht wie die Untersuchung der Anlage.

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© 2006/2011 Jürgen Tietke | 30167 Hannover| Gaußstr. 19| Tel: 0511 - 85 32 55| E-Mail
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